Emeritierter Professor für Energietechnik Dipl.-Ing. Heinz Schlageter ist leidenschaftlicher Sammler von Papiertheatern. Seine umfangreiche Sammlung spendet er dem Museum Schloss Fechenbach. Die Sammlung ist in der Sonderausstellung „Vorhang auf! Die kleine Welt der Papiertheater“ ab dem 26.11.2019 im Museum Schloss Fechenbach, Dieburg zu sehen.


Berufliche Perspektiven brachten Heinz Schlageter nach Dieburg an die Fachhochschule der Deutschen Bundespost, wo er von 1969 bis 1997 Energietechnik und Grundlagen der Elektrotechnik lehrte.
Er zeigte ein großes Engagement für die Stadt, arbeitete ehrenamtlich fürs Museum und war ab 1971 tatkräftiges Mitglied der Archäologischen und Volkskundlichen Arbeitsgemeinschaft 1970 Dieburg e. V., zu deren Vorsitzenden er 1982 gewählt wurde. Nach 10 Jahren als Vorsitzender wurde er 1992 zum Ehrenvorsitzenden gewählt.
Den Grundstein zu seiner Leidenschaft für Papiertheater legten schon Schlageters Eltern. Sie besaßen ein Theater, das in der Winterzeit vom Speicher geholt wurde. An den langen Winterabenden spielten sie Märchen wie „Hänsel und Gretel“ und „Max und Moritz“ für die Kinder. Als Schlageter nach Dieburg kam, stieß er in seiner ehrenamtlichen Arbeit im Museum Schloss Fechenbach auf Nachdrucke der alten Ausschneidebögen. Seine wiedererweckte Leidenschaft teilte er mit seiner Frau Elke. Beide ließ diese Leidenschaft nicht mehr los. In der Arbeit mit den Bildbögen fanden sie einen entspannenden Ausgleich zum Arbeitsalltag. Besondere und seltene Stücke kauften sie hinzu. So wuchs ihre Sammlung auf eine beachtliche Größe an.
Die Sammlung Schlageter umfasst über 20 aufgebaute Papiertheater mit dem zugehörigen Inventar für zahlreiche Bühnenstücke. Darunter finden sich Figuren, Hintergründe, Dekorationen und bunte Bühnenbildelemente, welche die Zuschauer in prachtvolle Paläste, finstere Ruinen, friedliche Gartenanlagen und orientalische Landschaften entführen. Ein ganz besonderes Stück ist ein Theater aus Dieburg. Die Art und Qualität der Ausführung lassen darauf schließen, dass dieses Theater zu Zeiten der Freiherren von Fechenbach im Schloss gestanden hatte und nun wieder heimgekommen ist.
Mit dem Begriff Papiertheater setzt man heute gerne den Begriff Kindertheater gleich. Tatsächlich liegen aber die Ursprünge in der Romantik und bekamen schnell einen Bildungsaspekt. Waren um das Jahr 1810 gedruckte Portraits von bekannten Schauspielern der großen Bühnen sehr beliebt, so führte die steigende Theaterbegeisterung des Bürgertums zum Druck von Bildern, die das gesamte Theaterspektrum abbildeten. Auf Bilderbögen wurden Figuren und Szenen dergroßen Opern, Schauspiele und Märchen gedruckt. Das Lithographie-Druckverfahren führte zu einer schnellen Verbreitung. Während der Opern- und Theaterbesuch zunächst nur dem Adel vorbehalten waren, fand allmählich eine Verbürgerlichung des Publikums statt. Wohlhabende Bürger hatten jetzt die Möglichkeit auch den Aufführungen der großen Dramatiker, Lyriker und Komponisten beizuwohnen. Mit den gedruckten Bilderbögen konnte man nun mit einer Schere, etwas Holz, Papier und Kleber die großen Bühnen nach Hause holen und die Lieblingsstücke nachspielen. Die detailreichen Abbildungen auf den Bögen wurden den originalen Inszenierungen nachempfunden. Sie zeigten Schauspieler, Kleidung, Gebäude und Landschaften, wodurch das Theater zu einem Bildungsinstrument wurde und Einblicke in Literatur und unbekannte Welten gab. Bald durfte ein Papiertheater in keinem bildungsbürgerlichen Haushalt fehlen. Sie wurden nicht nur zur Unterhaltung genutzt, sondern auch um die Kinder literarisch zu unterrichten. Ein „Kinderspielzeug“ wurde das Papiertheater aber nie. Anfang des 20. Jahrhunderts verlor das Papiertheater dann langsam an Bedeutung, denn Radio und Fernseher zogen in die Häuser ein. Eine Renaissance erlebten die Bildbögen um 1960 in ganz Europa. Der Sammler und Spieler Walter Röhler fasste Mitte des 20. Jahrhunderts unter dem Namen Papiertheater alle gebräuchlichen Bezeichnungen aus dem 19. Jahrhundert für diese Theater zusammen. Seine Definition lautet: „Kleine Bühne aus Papier, auf der sich die technische Vielfalt einer Menschenbühne in modellmäßiger Form nachahmen oder erproben lässt“. Heute sind die Drucke auch eine wichtige Quelle für die Theaterwissenschaften.
Die Ausstellung wird am Sonntag, den 24.11.2019 um 16 Uhr eröffnet und läuft bis zum 16.2.2020. Als Teil des Begleitprogramms werden u.a. Papiertheater-Stücke aufgeführt und in Bastelaktionen Weihnachtskrippen gebastelt.
Weitere Informationen unter www.museum-schloss-fechenbach.de

Schlageter Presse

 von links Museumsleitung Maria Porzenheim-Schäfert, Dipl.-Ing. Heinz Schlageter und Bürgermeister Frank Haus

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